Wie entwickelt man eigentlich Unternehmenswerte?

Als agiles Unternehmen sind wir in einem ständigen Wandel – so auch in den letzten beiden Jahren: Aus F&P GmbH – Feig & Partner wurde F&P – Creating Communities. Wir sind stark gewachsen, strukturierten Teams um, schafften die Teamleiter-Ebene ab und bekamen dafür ein starkes Management an die Seite. Mit einer Produktvision waren unsere Plattform JOYclub.de und unsere JOYCE-App nun auch auf internationalen Pfaden unterwegs.


“Wenn nicht jetzt, wann dann?”, dachten wir uns deshalb Anfang 2019 und nutzen die Gelegenheit, um auch unsere Unternehmenswerte neu zu denken. Ein Leitbild für unsere Produkte gab es bereits, doch waren die zugehörigen Werte weniger auf die interne Zusammenarbeit bei F&P ausgelegt.

Bottom up und einzigartige Werte – keine generischen Begriffe wie “Transparenz” oder “Innovation” – waren das Ziel bei der Entstehung unserer Unternehmenswerte. Unsere Reise war zu Beginn kurz etwas holprig, doch mit einem neuen Learning im Gepäck entstand daraus eine Dynamik, die motivierend und spannend zugleich war. Das Ergebnis sind Werte, die sich im Kopf einprägen und den Spirit bei F&P greifbar machen. Hier lest ihr über unseren Prozess!

Wieso sind Unternehmenswerte wichtig?

Neben unserer Vision und Mission, die das tägliche, produktbezogene Doing bei F&P bestimmen, benötigt es ein einheitliches Verständnis, wie wir an unsere tägliche Arbeit herangehen und somit das Miteinander in die richtige Bahn lenken.
Mit unseren Werten wollten wir eine gemeinsamen Linie unserer Prinzipien und Überzeugungen finden, damit wir alle an einem Strang ziehen und unsere Projekte aus der gleichen Perspektive betrachten. Es sollte ein Rahmen geschaffen werden, an dem wir uns orientieren können, ohne Sorge zu haben, in eine falsche Richtung zu driften.
Unsere entstandenen Unternehmenswerte verstehen wir als Wegweiser und inneren Kompass, die sowohl unser tägliches Miteinander bei F&P prägen als auch Zielbild für unsere zukünftige Entwicklung sind.

Die F&P-Unternehmenswerte entstehen

Schon vor dem Start des Projektes war klar: Hier möchten wir so viele Kolleg:innen wie möglich einbeziehen. Unternehmenswerte können nicht einfach aus dem Management vorgegeben werden, damit sie funktionieren. Sie müssen gemeinsam mit den Mitarbeiter:innen erarbeitet werden.
Zum ersten Termin der Wertefindung waren knapp 20 Kolleg:innen anwesend. Alle waren motiviert und gespannt – doch noch vor der Mittagspause merkten wir: Die von uns eingeladene Agentur, die uns bei der Findung unterstützen sollte, passte nicht zu uns. Erste Erkenntnis: Wir wollen den Prozess der Werteentwicklung nicht (komplett) aus der Hand geben. Standardisierte Umfragen auszufüllen als unser Weg der Werteentwicklung – das hat sich einfach nicht gut angefühlt. Wir brachen den Termin an dieser Stelle ab, setzten uns in kleiner Runde noch einmal zusammen und merkten direkt: Wir möchten nicht aufgeben. Der Kampfgeist der Beteiligten war entfacht, das Thema Werte sollte nicht jetzt schon scheitern. Aber: eine individuelle Lösung für uns musste her, mit der wir uns selbst wohlfühlten.

Deshalb entstand ein Projektteam aus Kolleg:innen, das sich verschiedenen Arbeitspaketen widmete. An erster Stelle stand die Entwicklung einer eigenen Methodik. Als diese feststand, merkten wir: eigentlich möchte jede:r gerne selbst am Workshop teilnehmen. Wir brauchen externe Unterstützung für die Moderation!

Also suchte unser HR-Team mit großem Eifer nach Werteprofis als neue Sparringspartner:innen für den Werte-Prozess. Acht Kandidat:innen schafften es in die “Endrunde” und wurden von der Projektgruppe hinsichtlich ihrer Erfahrungen und ihres Auftretens bewertet.

Katharina (HR) stellt die möglichen Sparringspartner vor.

Die Wahl fiel schnell und ziemlich eindeutig auf das Duo von unlearn aus Berlin. Klara und Hanno überzeugten uns als Doppelspitze durch ihre Art und ihre Offenheit für unsere Idee, den Entstehungsprozess gemeinsam zu gestalten.

Klara und Hanno von unlearn überzeugen bei der (Sparrings-)Partnerwahl

Nach einigen Telefonaten fand Ende Juni 2019 unser erster kleiner Konzeptionsworkshop mit Klara statt, in dem wir die Methodik für den geplanten Großgruppen-Workshop ausarbeiteten. Mit einem guten Gefühl blickten wir auf den nächsten Schritt des Prozesses: den Großgruppen-Workshop.

Alle Ergebnisse des bisherigen Werte-Weges hielten wir übrigens in einem Protokoll fest, auf das jede:r bei F&P Zugriff hatte. Zusätzlich gab es am Standort Leipzig noch unseren Werte-Zeitstrahl, auf dem die einzelnen Meilensteine mit Post-its und Bildern nachvollziehbar waren.

Der Großgruppen-Workshop zu den Unternehmenswerten

Beinahe ein Drittel der gesamten Belegschaft durch einen Tagesworkshop zu führen, erfordert Disziplin und viel Vertrauen. Besonders freute uns, dass Teilnehmer aus der Management- und Chefebene bei diesem Termin ebenfalls anwesend waren und so zeigten, dass der Prozess und die Ergebnisse von allen Seiten her getragen wurden.

Der Großgruppen-Workshop beginnt.

In kleineren Gruppen erarbeiteten die Teilnehmer:innen nun Werte, die sie für ihre Arbeit bei F&P als wichtig erachteten. Mittels Mentimeter stimmten alle Teilnehmer:innen dann über die fünf wichtigsten Werte ab. Die im Ranking ermittelten Werte wurden in eine erneute Gruppenarbeit geschickt. Dort wurde genauer geschaut, wie der Wert zu uns bei F&P passt und wo es noch Verbesserungspotenziale gibt.

Die Teilnehmer:innen präsentieren die ausgearbeiteten Werte.

Nach sieben Stunden hatten wir sie auf Papier gebracht: unsere Werte. Zwar noch nicht blank poliert, aber der Grundstein war gelegt. Doch der komplizierte Teil begann erst jetzt.

In den folgenden Wochen fanden sich nun zu jedem Wert interessierte Kolleg:innen in kleinen Projektgruppen zusammen, die die Werte noch weiter mit Leben füllten. Hier ging es vor allem um die genaue Ausformulierung von Titel und Beschreibung, aber auch um praktische Umsetzungen des jeweiligen Wertes. Mittels Video-Meeting stellten wir sicher, dass Kolleg:innen beider Standorte sich einbringen konnten.

Eine Projektgruppe diskutiert zu ihrem Wert.

Zum letzten Termin des Werteprozesses stellte jede Projektgruppe die Ausarbeitung ihres Wertes vor. Wir diskutierten ein letztes Mal über Inhalte und Formulierungen, über Begrifflichkeiten und Beispiele. Dieser Termin erwies sich noch mal als echte Herausforderung. Aber am Ende wurden wir belohnt: unsere Werte waren fertig!

Ein letztes Mal werden die Werte heiß diskutiert. Geschafft – unsere Werte sind fertig!

Am 29.08. – 198 Tage, nachdem der Werteprozess bei F&P begann – konnten wir allen Kolleg:innen endlich mit viel Stolz und einigen Glücks-Tränchen unsere ausgearbeiteten Werte in unserem firmenweiten “Allstars”-Meeting präsentieren. Ein Meilenstein in unserer Unternehmenskultur, den wir euch nicht vorenthalten wollen. Hier sind unsere Unternehmenswerte bei F&P:

F&P-Wertekosmos: Unsere designten Unternehmenswerte.

Was sich genau hinter jedem Wert verbirgt, könnt ihr hier nachlesen.

Doch damit ist unser Werteprozess noch lange nicht abgeschlossen. Nach der schriftlichen Ausarbeitung folgte die grafische Umsetzung, denn auch optisch sollten unsere Werte etwas hermachen! Hierfür arbeitete unser CCD-Team eng mit einer Agentur zusammen, die uns schlussendlich unser fertiges Wertedesign lieferte. Wie auch schon bei unsere Raumnamen bei F&P (“Paralleluniversum”, “Quickie Venus” oder “Planetarium”) griffen wir hier das Motiv des Weltraums auf. Die einzelnen Werte sind die Planeten unseres F&P-Wertekosmos!

Nun arbeiten wir weiter daran, die Werte kontinuierlich in unseren Arbeitsalltag zu integrieren und für alle spür- und erlebbar zu machen. Denn: Unternehmenswerte sind kein starres Konstrukt, sondern müssen gelebt und gefühlt werden – von allen.

Unsere Learnings:

  • One-fits-all funktioniert für uns nicht – lieber holen wir uns Experten ins Boot, die den Weg gemeinsam mit uns gestalten.
  • Bauchgefühl sticht Pflichtbewusstsein: Nicht-zielführende Termine abbrechen. Auch, wenn’s weh tut.
  • Stakeholder und Management sind nicht nur in den Prozess eingebunden, sondern aktiv beteiligt. Denn: die Akzeptanz für die Werte muss von allen Seiten kommen!
  • Eine stabile Feedbackkultur im Unternehmen ermutigt, auch beim Werteprozess Bedenken zu äußern.
  • Persönliche Werte müssen sich nicht 1 zu 1 in den Unternehmenswerten wiederspiegeln; es gibt immer einen Punkt, an dem ein persönlicher Wert am Unternehmenswert anknüpfen kann.
  • Um Kolleg:innen für die Mitarbeit am Projekt zu begeistern, muss der Prozess für alle öffentlich sichtbar dokumentiert werden. So kann jede:r jederzeit auf den neuesten Stand zugreifen und zu Terminen hinzustoßen. Bei uns wurde dies durch die Pflege eines Protokolls auf Confluence und unserem “haptischen” Werte-Zeitstrahl realisiert.
  • Mitarbeiterzentriertes Vorgehen hat unsere Schwarmintelligenz aktiviert und einen enormen Drive an Motivation, Kreativität und Produktivität im Unternehmen ausgelöst.

 

Liv, Feelgood Management